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Betriebsbesichtigung bei Tönnies

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  • Betriebsbesichtigung bei Tönnies

    Da ich über Google+ so freundlich eingeladen wurde, meinen Bericht hier zur Diskussion zu stellen, will ich dem gerne nachkommen. Im März diesen Jahres durfte ich das Fleischwerk Tönnies in Rheda-Wiedenbrück besichtigen und habe ein paar Zeilen darüber geschrieben.

  • #2
    Liebe Sandra,

    herzlich Willkommen bei uns!

    Vorab zur Info: im Forum duzen wir uns.

    Ich freue mich, dass Du uns den wertvollen Beitrag zur Verfügung stellst und danke Dir an dieser Stelle dafür.

    Über Tönnies hatten wir schon einige Themen hier im Forum. Das Thema "Betriebsbesichtigung" ist interessant, das hatten wir noch nicht. Ich persönlich war schon beim Simon-Fleisch, in Wittlich. Auch hier sind die Dimensionen des Schlachthofes ähnlich, wie bei Tönnies, in Rheda Wiedenbrück.

    Den Beitrag auf Deiner Seite habe ich mir heute gerne und vollständig durchgelesen.

    Eine Frage hätte ich zu Deinem letzten Satz:
    Und ich weiß: Diese Schilder müssten ganz woanders hängen.
    Wo sollten Deiner Meinung nach diese Schilder denn hängen?

    Ich wünsche Dir eine gute Unterhaltung hier bei uns!

    Über einen Besuch auf der SÜFFA würde ich mich sehr freuen.

    Viele Grüße

    Ivan
    Zuletzt geändert von Ivan Besser; 22.08.2014, 15:00.
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    • #3
      Hallo Sandra,

      da ist dir wirklich ein sehr schöner Artikel gelungen. Mir gefällt deine Art zu schreiben, erstaunlich wie viel Gefühl du in eine so "kalte" Welt bringst.

      Herzliche Grüße

      Henry
      E-Mail: post@rose-fleischtechnik.de

      www.rose-fleischtechnik.de

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      • #4
        Danke, Ivan, für die Willkommensgrüße. Das Schild "Achtet die Kreatur" sollte meines Erachtens dort hängen, wo die Menschen arbeiten. Ich sah keine leidenden oder gequälten Tiere, aber Menschen acht Stunden am Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, auf einer Gitterplattform im Kreis rennen zu lassen, das war in meinen Augen Quälerei.

        Ich werde natürlich auf der SÜFFA sein. Freue mich auf ein Treffen.

        Lieben Gruß
        Sandra

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        • #5
          na dann mal herzlich willkommen.

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          • #6
            Zitat von Sandra Schröder Beitrag anzeigen
            aber Menschen acht Stunden am Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, auf einer Gitterplattform im Kreis rennen zu lassen, das war in meinen Augen Quälerei.
            Es ist nun mal einfach so, dass es Menschen gibt welche beruflichen Tätigkeiten nachgehen, welche von ihren Mitmenschen als abstrakt oder möglicherweise auch als diskriminieret wahrgenommen werden. Ich, für meine Person könnte mir auch keinesfalls vorstellen beim Finanzamt zu arbeiten.
            Vier Mann laufen den ganzen Tag im Kreis. Acht Stunden lang.
            Machen wir es doch an diesem Beispiel konkret fest. Wie war es denn zu früheren Zeiten, als es keine Schlachthöfe mit den beschriebenen Dimensionen gab und größtenteils in Handwerksbetrieben geschlachtet wurde? Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter sind keinesfalls mit den heutigen vergleichbar gewesen. Es gab nur selten Rohrbahnsysteme und auch aus anderen Gesichtspunkten war diese Tätigkeit körperlich extrem fordert. Es gab kaum jemand der das bis zum Rentenalter durchstehen konnte und auch kaum jemand welcher sich die Gesundheit nach mehreren Jahrzehnten nicht ruinierte und von schmerzenden Bandscheiben, Knochen und Gelenken geplagt wurde. Ich halte es durchaus für berechtigt, wenn man sich die Frage stellt, ob es für den Mitarbeiter unterm Strich nicht besser ist, acht Stunden im Kreis zu laufen, weil nichts schwerer wiegt als die Gesundheit.

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            • #7
              Hallo Sandra,
              schöner Artikel, sehr anschaulich geschrieben. Man fühlt sich, als sei man dabei gewesen...
              Herzlich Willkommen im Forum. Ich hoffe wir lesen öfter von Dir
              Liebe Grüße
              Gabriele
              Erfolgreich in die Zukunft
              Bechtel Marketing Coach
              Marketingberatung - Coaching - Seminare
              für die Fleischerbranche
              www.bechtel-marketing.de

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              • #8
                Hallo Sandra,
                vielen Dank für die Einblicke und der emotionalen Darstellung. Es ist schon spannend zu sehen, dass von 5.5 Tsd. nur 3 Tsd. eigene Mitarbeiter sind. Preisdruck und jeden Tag Fleisch auf dem Tisch haben zu wollen ist das Spiegelbild dessen, wie gearbeitet und wie viel von etwas Produziert werden muss. Den Menschen, der es umsetzt, dabei in den Vordergrund zu setzen ist vielleicht wirksamer, als die vielen Tiere, die tagtäglich geschlachtet werden.

                Wie viel braucht der Mensch von den Produkten tatsächlich und wie viel landet wieder im Mülleimer.
                Wie schon so oft, fordere ich ein umdenken der Menschen, die so etwas verursachen. Mich selber und anderen, den Einkäufern und schlussendlich der Menschen, die für Stundenpläne verantwortlich sind um uns mehr darüber aufzuklären, was es für Auswirkungen hat, tagtäglich Fleisch zu essen.

                Sicher haben auf der andere Seite viele eine Arbeit gefunden und können sich ein leben finanzieren, was sie sonst nicht hätten. Nur welcher Preis ist höher?

                Schönen Gruß
                Tobias
                Tobias Locher
                Projektmanager und Berater in der retail Branche

                Mehr Wissen von Lebensmittel:
                www.lanisto.de

                B+L newMedia GmbH, Hilden

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                • #9
                  Hallo Sandra,
                  ich war zwar nicht vor Ort kenne aber dieses Video von Tönnies.
                  Es ist schon erschreckend was das alles täglich über den Tisch geht.



                  Gruß
                  Arnold

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                  • #10
                    Moin Sandra,

                    dein Artikel ist, wie hier schon einige male erkannt wurde, gelungen.

                    Als ich vor etwa 8 Jahren dort an einer Betriebsbesichtigung teilgenommen habe, kam mir das System, bei den die Mitarbeiter im Kreis laufen, auch merkwürdig vor. Wie man sich dabei fühlen muss und ob man nicht zwangsläufig nach einiger Zeit einen Drehwurm bekommt oder einfach nur "am Rad dreht" kann ich nicht sagen.

                    Da müsste man mal mit einem der Mitarbeiter sprechen. Wäre nicht dies eine Aufgabe für dich.... Man spricht sehr viel über die Mitarbeiter aus den verschiedenen Nationen in den Schlachthöfen und Betrieben, aber kaum mal jemand mit ihnen...

                    Aber Mathias hat schon Recht, wenn er schreibt, dass das Schlachten noch vor wenigen Jahren (teilweise nun auch noch) nur mit größten körperlichen Anstrengungen verbunden war-und die daraus resultierenden körperlichen Schäden.

                    Jedenfalls ist es sicher nicht leicht für die Leute-so oder so. Die haben jeden Cent ihres Lohnes bitter verdient. Es ist schwer, diesen Arbeitsplatz überhaupt menschlich zu gestalten und dabei das Tierwohl im Blick zu halten. Da fällt mir ein Zitat von Karl Marx (?) ein (nein ich bin kein Marxist):

                    "Wenn es die Umstände sind, die den Menschen gestalten, muss man eben die Umstände menschlich gestalten."


                    Viele Grüße Klaus

                    Kommentar


                    • #11
                      @Mathias Kornmayer: Ich finde die Frage, ob es für den Mitarbeiter nicht unterm Strich besser ist, acht Stunden im Kreis zu laufen, als ein Leben lang traditionell handwerklich zu schlachten, fast ein bisschen zynisch. Mal abgesehen davon, dass ich mich schon an der Formulierung „unterm Strich“ störe, besteht überhaupt kein Zweifel, dass monotone Akkordarbeit alles andere als förderlich für die geistige und körperliche Gesundheit ist. Zudem bin ich in einem Handwerksbetrieb groß geworden, in dem bis heute noch geschlachtet wird. Betriebszugehörigkeiten von dreißig oder vierzig Jahren sind keine Seltenheit. Schlachten ist niemals Pflicht. Schmerzen erleiden schon mal gar nicht. Die Mitarbeiter sind das höchste Gut eines jeden handwerklichen Familienbetriebes. Und genau das macht sie im heutigen Wettbewerb so anfällig.

                      @Gabriele Bechtel: Danke für den herzlichen Empfang.

                      @Tobias Lochner: Ich verneine ja gerne, dass ein Umdenken erforderlich sei. Meiner Meinung nach, müsste überhaupt erst einmal ein Denken anfangen. Hätte das schon früher stattgefunden, wäre ein solches System, wie es die Lebensmittelproduktion heute ist, überhaupt nicht möglich gewesen.

                      @Arny: Danke für das Video. Ich werde es an meinen Artikel anfügen. Weißt Du, wann die Filmaufnahmen gemacht wurden? Hochgeladen wurde das Video 2011. Es war die Rede davon, dass 35 Prozent der Produkte exportiert werden. Ich hatte in diesem Jahr die Info bekommen, dass es 50 Prozent sind. Interessante Steigerung.

                      @Zwergwidder: Also ich hab ja schon beim Zugucken „am Rad gedreht“. Die Idee, mal mit den Mitarbeitern zu sprechen, finde ich gut. Ich werde das mal weiter verfolgen. Wobei wahrscheinlich das Gros der Akkordschlachter nicht mal meine Sprache spricht.

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                      • #12
                        Hallo Sandra,
                        vielen Dank für dafür Dein Feedback.
                        Dann lasse uns hier und jetzt mit dem denken anfangen. Sind nicht wir, welche täglich mit diesem 'Produkt' uumgehen sensibilisiert werden und die Wertigkeiten wieder mehr in den Vordergrund stellen müssen. Mehr Wertigkeit sorgt wieder zu mehr Sensibilität im Umgang mit Lebensmitteln. Sicher ist hier auch die Politik gefragt, denn nicht jeder ist in der Lage mit höheren Preisen um zu gehen.

                        Schöne Grüße
                        Tobias
                        Tobias Locher
                        Projektmanager und Berater in der retail Branche

                        Mehr Wissen von Lebensmittel:
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                        • #13
                          Hallo Sandra.
                          Schöner Vorname. Deshalb gab ich ihn auch einer meiner Toechter.
                          Wer das was Sie beschreiben nicht mitmachte, kann Sie nur teilweise verstehen.
                          Es ist eine andere Welt.

                          Mein Ziel war es so viel Geld “zusammen zu kleppern” wie irgend möglich.
                          Dazu war aber notwendig, alles was man geläufig als Gutes im Menschen beschreibt abzubauen, denn sonst wurde man in den Kolonnen schnell “aufgefressen”.
                          “Halts Maul und schaff”, “Kopf runter”, “Abzug” etc. waren neben körperlicher Gewalt alltäglich. Zentimeterdicker Horn zwischen Daumen und Zeigefinger an der messerführenden Hand waren Ruhmeszeichen. Nur wenn er aufplatze wurden die Schmerzen manchmal unerträglich.
                          Hieb-und Stichverletzungen waren ebenso alltäglich wie das Nichtversichertsein. Gefühle gab es nicht. Weder für Mensch noch für Tier und so wurde man zu einem Instrument, dem Sie in die Augen sahen und ein Kapitel lesen konnten.
                          Man sieht kein Blut mehr, hörte nicht die Kettenbänder, reagierte kaum wenn sich jemand verletzt. Tiere werden zu Freitagsschecks. Mehr nicht.
                          So wie ein Maurer Stein auf Stein legt, riss ich Knochen für Knochen aus dem Fleisch oder schnitt Kopf für Kopf ab. Stückzahlen mussten her.

                          Wer nicht mitkam, bekam zuerst die gesammelte Wut der Kolonne zu spüren, wurde an den Schiertisch versetzt und gehörte oft schon im Alter von ca. 28 Jahren zum “Alten Eisen”. Das sprach sich rund in der Schlachter- und Ausbeinerwelt.
                          Zu dieser Zeit sprachen ausser ein paar Saarfranzosen alle Deutsch, bezahlten das Finanzamt nicht und fuhren mindestens einen BMW 633 CSI, Porsche 911 SC oder Mercedes Benz 250 SL Cabrio. Der Betriebsleiter kam im VW.

                          Es war die Hoch-Zeit des Subunternehmertums ohne Gewerbeschein.
                          Mehr und mehr kamen dann sogenannte Vermittler, bei uns Rattenfänger genannt, welche die Verhandlungen gegen 10% oder unkontrollierbaren Abzug vom Kolonnen-Akkordlohn mit den Unternehmern führten und natürlich die Abrechnung machten. Alles was ein Messer nur halbwegs geradehalten konnte war plötzlich in einer neuen Kolonne. Es begann die grosse Wanderschaft.
                          “Selbständiger Ausbeiner mit eigener Schleifmaschine und Blechspind sucht neuen Wirkungskreis”. Einer der scherzhaft, selbstironischen Sprüche.

                          Eine Jahresstelle zu bekommen war das grosse Glück. Ich hatte das Glück und konnte meine Wünsche erfüllen. Die feste Stelle rettete auch meine Ehe. Viele andere Ehen zerbrachen. Mann und Vater nie da. Immer auf Achse.
                          Dann gingen die Grenzen auf und die Kollegen, welche mit einem Drittel unseres Lohnes in ihrer Heimat immernoch Könige waren gesellten sich zu uns an die Bänder.

                          Geiz ist geil galt plötzlich auch für die Unternehmer, die entdeckten, dass sie einen Deutschen durch drei andere Nationalitäten ersetzen konnten und immernoch mehr Netto in der Kasse hatten. Oder wenigstens das gleiche, weil die Discounter begannen die Preisspirale nach unten anzuwerfen. Immer öfter wurden wir zum Arbeitsbeginn in fremden Sprachen begrüsst. Immer öfter Spielball der Preisspirale.
                          Die Zeit der Umorientierung begann.

                          Zurück blieben die Kollegen die im Kreis laufen um zuhause etwas zu erreichen.
                          In deren Augen Sie schauten und verstanden. Andere verstehen nicht.
                          Der von den Unternehmern lauthals reklamierte Fachkräftemangel ist nicht vorhanden. Viele Fachleute aus unserer Branche sind arbeitslos. Es geht darum noch mehr, noch billiger zu bekommen.
                          Auch Menschen, die sich lediglich von Robotern unterscheiden weil sie sich nach der Arbeit duschen.
                          Fragen Sie einmal Ihren Vater ob das was ich Ihnen schrieb Realität war.
                          Gruss und schönes Wochenende


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                          • #14
                            Danke, Harald Ritter, für diese eindringliche Schilderung. Darf ich den Text in meinem Blog veröffentlichen?

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                          • #15
                            Hallo Sandra.
                            Ja, dürfen Sie.
                            Gruss
                            Harald

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                            • #16
                              Vielen Dank.

                              Kommentar


                              • #17
                                Hallo Sandra, interessante Feststellung. Nein ich weiß leider nicht wann das Video gedreht wurde. Gruß, Arnold

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