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Aktuelle Studie zeigt: Fleischwirtschaft verdient am wenigsten

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  • Aktuelle Studie zeigt: Fleischwirtschaft verdient am wenigsten

    Eine aktuelle Studie von foodjobs.de zeigt, dass die Fleischer - sei es im Handwerk oder der Fleischindustrie - innerhalb der Lebensmittelwirtschaft am wenigsten verdienen. Dabei ist das Stück Fleisch von der ethisch-moralischen Seite am hochwertigsten anzusehen.

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Name: Einstiegsgehalt_Fleischbranche.jpg
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Größe: 234,7 KB
ID: 38740

    Nähere Informationen über die Studie

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  • #2
    Die Iniative von foodjobs ist sehr lobenswert, doch sie hackt lediglich in eine Kerbe die schon so gross ist, dass der Baum bald umfaellt. Die “Beleuchtung” der Chancen fuer Studierte ist eine Seite und man bekommt einen guten Ueberblick, doch das Heer der Arbeitnehmer im Fleischergewerbe ist die andere Seite.
    Dabei traue ich es gerade den Leuten bei foodjobs zu, eine geeignetere Analyse dazu zu erstellen und die Gruende aufzuzeigen warum man im Fleischergewerbe weniger verdient als in allen anderen Gewerben.

    Natuerlich kaempfen die Milchbauern um jeden halben Cent je Liter mit den Abnehmern. Doch nachdem die Milch einmal in den Fabriken gelandet ist erschliessen sich ganz andere, weitaus lukrativere Wertschoepfungsketten wie sie den Fleischern zur Verfuegung stehen.

    Bei Getraenken und Backwaren sind diese Umstaende noch gravierender. Aus einer gewissen Menge Wasser lassen sich problemlos tausende verschiedene Getraenke herstellen. Der Grundstoff ist und bleibt Wasser. So ist das auch bei den Grundstoffen des Baecker- und Konditorhandwerks. Bei den anderen aufgefuehrten Gewerbezweigen sieht es aehnlich aus, wobei alle diese Gewerbezweige auf weltweiten Handel zurueck greifen koennen. Russland wird in den naechsten 3 Jahren Weizen-Exportweltmeister. Gut fuer deutsche Baecker. Und die Fleischer?
    Bei suedamerikanischer Vakuumware ist da fast Ende der Fahnenstange.
    Fleisch muss frisch sein.

    Nun, wo liegt der Unterschied, da ja der Rohstoff Fleisch ebenfalls preiswert angeboten wird und teilweise sogar als Schleuderware gehandelt wird.
    Fuer mich liegt der Unterschied darin, dass A) dem Fleischer keine weiteren, als die vorhandenen, Wertschoepfungsketten zur Verfuegung stehen. Ein Schnitzel bleibt ein Schnitzel, eine Bratwurst eine Bratwurst und selbst wenn man das Schnitzel mariniert oder die Bratwurst mit exotischen Zutaten verfeinert bleiben sie die Grundprodukte die auch so von den Endabnehmern erkannt werden. Wohin soll man mit dem Rohstoff Fleisch ausweichen um andere Wertschoepfungsketten zu erschliessen? B) ist Fleisch, was ich schon seit Jahren schreibe, viel zu billig. Es ist Wegwerfware geworden. Es hat keinen WERT mehr. Einen Wert den unsere Vorfahren noch zu schaetzen wussten und die diesen Wert so bezahlten, dass ein Fleischergeselle mit seinem Lohn seine ganze Familie ernaehren konnte. Das ist heute, politisch gewollt, ganz anders.

    In diesem Zusammenspiel werden von den Betrieben die es sich erlauben koennen andere Wertschoepfungsketten erfunden. Vegetarische “Wurst” ist eine davon, denn selbst die Betriebe die mit der notwendigen Technik, Laboren und Forschungseinrichtung ausgestattet sind stehen immer nur vor einem Stueck Fleisch.
    Abgerundet wird die Sache dann dadurch, dass sich die Preisspirale nach unten immer schneller dreht. Fuer die Endabnehmer gut und sie verlangen dann auch immer billigere Artikel aber fuer die Wertschoepfung der Produzenten fatal.
    Wo die Wertschoepfungskette zerreisst gibt es Insolvenzen und/oder Betriebsschliessungen.
    Aufgrund dieser zum zerreissen gespannten Wertschoepfungskette sind die Firmen gezwungen die Kosten zu senken. Das geschieht u.U. zuerst durch “Rezepturoptimierungen” und dann durch Personalabbau bzw. Personalersatz.
    Womit wird dann das vorher Unrentabele ersetzt? Durch Rentabeles. Das kann bei einer noch einigermassen gesunden Firma durch Maschinen geschehen aber wo Maschinen nicht eingesetzt werden koennen durch billigeres Personal. Und wenn das sich nicht mehr rentiert, durch noch billigeres Personal und so weiter und so fort. Fuer Nachschub wurde, entgegen aller nationalen Interessen, gesorgt.
    Und dann, am Ende, wurde die Wertschoepfungskette durch Senkung der Personalkosten etwas stabilisiert aber der Verdienst des Personals schlaegt sich in der foodjobs-Statistik nieder. Auch bei Studierten.
    Ausnahmen bestaetigen die Regel.

    Dazu kommen die politischen Aspekte die A) das Fleischerhandwerk verteufeln, so dass niemand mehr in diesem Beruf arbeiten will, womit den Billigloehnern die Werktore offenstehen. B) heute schon mehr als 40% der Kinder zwischen 6 und 12 Jahren mit Armut bedroht sind. Das heisst im Umkehrschluss, dass 40% der Eltern ueber so wenig Geldmittel verfuegen, dass sie sich Luxusartikel wie Fleisch und Wurst nur noch eingeschraenkt oder gar nicht mehr leisten koennen. Das war mal anders. Das war anders, als in einer Wurstkueche noch 6 bis 8 Metzgergesellen fuer gutes Geld die anfallenden Arbeiten verrichteten und der Meister so viel Geld verdiente, dass der Meistersohn studieren gehen konnte.
    Eine foodjobs-Tabelle, zu dieser Zeit angefertigt, wuerde ganz anders aussehen.
    Um zu erkennen das Deutschland systematisch verarmt wird braucht man nicht studiert zu haben.

    Ich habe persoenlich mit Kinderarmut zu tun und werde immer nach Brot und Milch gefragt. Nicht nach Fleisch.
    Das was versaeumt wurde kann niemals mehr aufgeholt werden. Weder von den Studierten noch von der unstudierten Arbeitnehmerschaft.
    Ich lasse mich gerne korrigieren.

    Kommentar


    • #3
      Gerne möchte ich den Ausschnitt der Grafik um folgende Infos ergänzen.
      Es handelt sich hier um das Einstiegsgehalt von Absolventen (Akademiker) in der Lebensmittelbranche.
      Es wurden 1.371 Antworten von Einsteigern und Young Professionals ausgewertet, die im Zeitraum vom Juli 2015 bis August 2016 erhoben wurden.
      Ihr könnt davon ausgehen, dass die Angaben zur Fleischbranche eher die Fleischindustrie betreffen als die Handwerksbetriebe.
      www.foodjobs.de - für die Menschen hinter den Lebensmitteln

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      • #4
        Hallo Bianca.
        Danke fuer den Hinweis. Und danke fuer deine Arbeit.
        LG

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        • #5
          Guten Morgen,
          Meines Erachtens ist der Hinweis von Bianca entscheidend. Wir können nicht auf Grund der Einstiegsgehälter auf das komplette Lohngefüge schliessen.
          Aus meiner Erfahrung und da kann mich Bianca ruhig korrigieren, sieht es weder im Handwerk noch in der Industrie grundsätzlich schlecht aus. Gesellen verdienen ca. 2500 bis 3000 €. Meister verdienen dann mehr wenn sie entsprechend Verantwortung tragen. Ca. 3000 bis 4000 €. Bei grösseren Betrieben und entsprechender Verantwortung auch durchaus 5000.-
          Betriebsleiter können auch über 100000.- € verdienen.
          Jürgen Huber
          Huber Consult e.K.

          Metzgermeister, Betriebswirt d. Hdw.
          staatl. gepr. Fleischtechniker
          REFA-Prozessorganisator
          Unternehmercoach
          Fachberater für die Fleischwirtschaft

          www.fleischer-beratung.de

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